Rouladen im Schnellkochtopf - in 45min köstliche Rouladen
Ich liebe Rouladen. Aus aus dem Schnellkochtopf. Gut gefüllt mit Paprikawurst, Gürkchen und ein wenig Speck. Eingestrichen mit Senf, dem Bautzener natürlich. Dazu Kartoffeln und Sauerkraut. Mein Magen stimmt sofort eine Sehnsuchtsarie an.
Leider stehen einige Personen aus meinem sehr persönlichen Umfeld nicht so sehr auf Rouladen, weshalb ich wesentlich öfter Gulasch als Rouladen mache. Das Gulasch lieben sie, Rouladen nicht. Aber ich habe bereits Rouladen im Schnellkochtopf fabriziert – sie waren köstlich. Es ist keine übrig geblieben. Wie ich diese Schnellkochtopf-Rouladen gekocht habe, davon handelt dieses Rezept für klassische Rouladen.
Zutaten für Rouladen im Schnellkochtopf
- 6 Rouladen (oder rechne pro Mann 2 Rouladen; alle anderen je eine.
) - Öl
- 4 Zwiebeln
- Senf; den einzig wahren Senf: Bautzner Senf scharf
- 1/2 l Rotwein (trocken)
- Gemüsebrühe
- 1 Suppengrün (oder wahlweise 2 Karotten, etwas Sellerie, 1/2 Stange Lauch)
- Salz, Pfeffer (ganz und gepulvert), Paprika, 1 Lorbeerblatt, 3 Wacholderbeeren, 2 Pimentkörner
- Gewürzgurken (Cornichons)
- 2 Paprikawürstchen (oder “Knacker” wie die Dinger im Osten heißen)
- Kartoffeln
- Sauerkraut
- Lust am Kochen
Wenn du erfahrene Rouladen-Hersteller fragst (Mutter oder Vater zum Beispiel) so wirst du Zubereitungszeiten jenseits der 2 Stunden – Grenze zu hören bekommen. Ich zeige dir jetzt, wie du die Rouladen im Schnellkochtopf in 45min hinbekommst – inklusive Vorbereitung!
Zunächst säuberst du die Arbeitsfläche oder nimmst gleich ein großes Küchenbrett. Um dieses herum drappierst du nun 1 Küchenmesser, den Senf, einen Teelöffel, Salz und Pfeffer, die Paprikawürstchen und die Gewürzgurken. Außerdem ist es hilfreich gleich nach Rouladennadeln zu schauen und diese durchzuzählen. Wir brauchen pro Roulade 2 Nadeln.
Wir schnappen uns den Teelöffel und hauen große Senf-Kleckse auf die Rouladen. Mit der Rückseite des Teelöffels streichen wir den Senf gleichmäßig über die gesamte Rouladenfläche. Dann salzen und Pfeffern wir das ganze großzügig. Eine Mengen-Empfehlung ist schwer zu geben: nimm mal nen halben Teelöffel Salz und nen halben Teelöffel Pfeffer pro Roulade. Damit machst du erstmal nichts verkehrt. Wichtig ist nur, dass du Salz und Pfeffer gut auf die Roulade verteilst.
Nun schneidest du ein Stück Paprikawurst ab – etwas kleiner als die Breite der Roulade. Das Stück legst du an des schmalere Ende der Roulade. Eine Gewürzgurke gesellt sich munter dazu. Ich überlasse es dir, ob du das Gürkchen ganz läßt oder in Streifen schneidest. Ich mache immer letzteres.
Das machst du nun für jede Roulade so.
Jetzt wickelst du die Roulade auf – beginnend von der Seite wo die Wurst und Gurke lagert. Wickel nicht zu fest und nicht zu locker. Probiere es aus und du wirst automatisch merken wo das richtige Maß der Wickelstärke liegt. Glaube mir! Ist die Roulade vollständig aufgewickelt, fixiere die Enden mit je einer Rouladennadel. Stich dazu die Nadel nicht durch die ganze Roulade, sondern nur durch eine Lage Fleisch. Ziehe dann das Fleisch mit der Rouladennadel etwas nach oben und versenke, die Rouladennadel im Körper der Roulade. Das Ergebnis: die Enden der Roulade sind nicht mehr offen, sondern geschickt verschlossen worden. (Hinweis an mich: Hier muss ein Lehrfilm her.)
Damit sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Vor dir liegen nun 6 würzige, erwartungsvolle Fleischrollen.
Jetzt greifen wir zur Schnellbratpfanne oder den Schnellkochtopf. Ich habe ja bekanntermaßen ein Schnellkochtopf-Set von Fissler, bestehend aus Schnellkochtopf und Schnellbratpfanne. Die Rouladen mache ich in letzterer. Gib gut 3 EL Öl in die Pfanne (noch besser ist Butterschmalz, unter uns gesagt) und starte die Energiezufuhr. Ist das Bratfett heiß, legst du die Rouladen in die Schnellbratpfanne. Das zischt und dampft wie ein Geysir. Tut es das nicht, war das Öl nicht heißt genug. (Deshalb prüft man vorher ob das Öl heiß ist. Nimm dazu ein Messer, halte das kurz unter den Wasserhahn und lass einige wenige Tropfen in das Öl fallen. Tanzen die Tröpfchen in wilder Ekstase, ist das Öl bereit!)
Die Rouladen werden nun scharf angebraten. Scharf anbraten heißt, dass die Rouladen bei voller Hitze gebraten werden. Das ist richtig, richtig heiß. Das erfordert deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Braten, wenden, braten, den Wein aufmachen. Weiter braten und wenden. Wenn sich am Boden festere Ablagerungen bilden ist das kein Grund zur Besorgnis. Dieses “angebratene” kocht sich gleich von allein los.
Nur schwarz sollte es nicht werden. Ein guter, nicht zu weicher Bratenwender leistet gute Dienste in dieser Phase.
Bevor nun alle Seiten der Rouladen ihren fleischfarbigen Teint verloren haben, schmeißt du die zerkleinerten Zwiebeln mit in den Schnellkochtopf (oder die Schnellbratpfanne, jaja). So dünsten diese gleich mit. Das erfordert jedoch noch einmal höchste Konzentration, denn Zwiebeln neigen zum anbrennen in heißem Öl wie nicht anderes.
Sind die Rouladen ringsherum schön braun, halte dir die Augen zu und kippe eine halbe Flasche Rotwein in den Schnellkochtopf. Das mit den Augen ist nur zum Schutz für empfindsame Naturen. Kenner probieren den Rotwein während der Anbratphase. Wir lassen den Rotwein im Topf etwas einkochen (und im Kochkörper herumplätschern). Dann nehmen wir den Schnellkochtopf kurz von der heißen Feuerstelle.
Sortiere die restlichen Gewürze: Wacholderbeeren, Pfefferkörner (so 4 Stück), Pimentkörner, Lorbeerblatt. Nimm das Suppengrün, reinige es und wirf es zu den Rouladen. Hau die Gewürze gleich hinterher. Prüfe, ob die Rouladen gut bedeckt sind. Mit Flüssigkeit! Wenn nicht hilf mit etwas Wasser nach. Ein Eßlöffel Gemüse- oder Delikatessbrühe findet sich auch in der Schnellbratpfanne wieder.
Das war’s. Den Rest übernimmt der Schnellkochtopf. Die Rouladen dürfen nun für 25min so richtig unter Druck geraten. Die Zeit beginnt ab erreichen der 2. Garstufe oder des 2. Druckrings.
25 Minuten sind eine lange Zeit, wenn man einen Kochtopf bewachen muss. Plus Zeit für das “Druckabbauen” 30min, die wir anders nutzen. Erstens musst du den Schnellkochtopf nicht bewachen und zweitens wolltest du noch Kartoffeln und Sauerkraut machen! Also ran, an die Beilagen!
Tipp: Diese Zeit der Beilagenherstellung (Sauerkraut kochen, Kartoffeln schälen, waschen und kochen) kann man sich durch Genuss des verbliebenen Rotweins angenehmer gestalten!
Nach 30min fahren wir das unter dem Schnellkochtopf arbeitende Atomkraftwerk runter und warten, bis sich der Druck verzogen hat. (Du kannst das beschleunigen: Öffnen eines Schnellkochtopfs). Öffne den Schnellkochtopf oder die Schnellbratpfanne und fische die Rouladen raus. Lege sie auf einen großen Teller. Greif dir einen weiteren Topf und ein Küchensieb, lege das Küchensieb auf den leeren Topf und kippe die Rouladenbrühe durch das Sieb in den Topf. Ein kleiner Kniff und wir sparen uns das mühsame Herausfischen der Wacholderbeeren, Pimentkörner und der anderen Sachen. Das Gemüse pressen wir mit Hilfe einer Gabel locker durch das Sieb aus. Wir verschwenden keinen Tropfen! Der Siebinhalt wandert in den Biomüll. Das Sieb selbst nicht!
Nimm dir eine Tasse, schmeiße 3-4 TL Mehl rein, lasse die Tasse halb voll mit Wasser laufen und vermische das Wasser-Mehl-Zeug mit einer Gabel! Ich verstehe bis heute nicht, warum dazu viele den Löffel nehmen. Mit der Gabel funktioniert das viel besser!
Lass die Soße aufkochen und wenn sie kocht (das ist wichtig!) kippe langsam die Mehlbrühe dazu, in des du fleißig die Soße verrührst. Du wirst merken, dass die Soße dabei dicker wird. Je eifriger du die Mehlbrühe verquirlt hast, je fleißiger du die Soße umgerührt hat, desto weniger wird dir die Soße dabei verklumpen.
Tipp: Du kannst auch Stärke dazu nehmen. Bei der riskierst du zwar nicht das Verklumpen der Soße oder Mehlklümpchen in selbiger, aber du könntest bei Einsatz von zuviel Stärke in die Gefahr geraten, Rouladen-Gelee herzustellen. Lass dich nicht abschrecken – diese Erfahrung muss jeder mal machen. (Ich schließe mich da nicht aus. Es gibt leider keinen Film darüber, wie ich ausgeschaut habe, als meine erste “verstärkte” Soße eine ganz und gar ungewollte Konsistenz bekam.
)
Lege die Rouladen zurück in die Soße und halte diese warm.
Sind die Kartoffeln fertig? Das Sauerkraut auch?
Na dann – wohl bekomms!
Rouladen im Schnellkochtopf – die FAQ
Warum kommt in dem Rezept kein Speck vor?
Ich tippe mal darauf, dass erfahrene Rouladenbräter sich diese Frage bereits gestellt haben. Meine Antwort: Weil ich Speck in Rouladen nicht so mag. Als Ersatz nehme ich die Paprikawürstchen. Ich liebe es, dieses aus der Roulade zu wickeln und dann so zu essen. Fantastischer Geschmack!
Noch ein Wort zu den Gewürzgurken. Ich gab in den Zutaten an, dass ich dazu diese Cornichons nehme, die es im Supermarkt gibt. Es hat sich nämlich durchgesetzt, keine herkömmlichen Salatgurken für Rouladen zu nehmen. Da liegt meiner Meinung nach daran, dass bei der Verwendung von Salatgurken
- die Rouladen riesig sein müßten
- dies gigantische Schnellkochtöpfe oder Schmortöpfe nach sich ziehen würde
- die Rouladen nicht so gut schmecken würden.
Hast du dich eigentlich auch schon mal gefragt, was diese Cornichons für ganz spezielle Gurken sind? Ja? Hier ist die überraschende Antwort auf deine Frage: Die französische Bezeichnung für Gewürzgurken ist Cornichons. Aber: Die besten Gewürzgurken kommen aus dem Spreewald und nicht aus Frankreich. Punkt.
Nachtrag: Wenn du die Chance hast, feine Rouladen vom Metzger zu bekommen, dann reichen 20min im Druckmodus völlig aus. Danke für den Hinweis von Dagmar.
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