Schnellkochtopf-Bombe: Der Anschlag von Boston

Schnellkochtopf-Bombe: Der Anschlag von Boston

Die Explosionen beim Boston-Marathon 2013 wurden laut neuesten Meldungen durch Bomben in Schnellkochtöpfen mittels Eieruhr ausgelöst. Das berichten heute morgen die Nachrichten-Agenturen. In zwei Schnellkochtöpfen wurden offenbar Schießpulver sowie Metallteile wie Nägel und Kugeln platziert. Die Zündung erfolgte wohl per Zeitzünder.

Normalerweise ist es sehr schwierig, einen Schnellkochtopf explodieren zu lassen. Im normalen Gebrauch sorgen die Sicherheitsvorkehrungen der Hersteller dafür, dass es nur durch menschliche Fehlgriffe passieren kann, dass ein Schnellkochtopf explodiert. Ich habe das bereits früher in einem Artikel versucht zu erläutern: Wenn ein Schnellkochtopf explodiert …

Aber was passiert, wenn man einen Schnellkochtopf wie eine Bombe benutzen will?
Es kommt meiner Meinung nach hier auf die Art des Schnellkochtopfes an. Zum Beispiel wollten die (glücklicherweise vorher geschnappten) Bombenleger von Straßburg im Dezember 2000 einen Schnellkochtopf aus Aluminium benutzten. Dieser würde bei ausreichend Druck im Inneren zerplatzen wie nichts und eine enorme Splitterwirkung erzeugen. Wenn dann noch wie in Boston die Füllmenge aus zusätzlichen Kleinteilen aus Metall besteht, entsteht eine Splitterbombe mit extremen Zerstörungspotential vor allem gegen Menschen. Mit den modernen Edelstahl-Schnellkochtöpfen dürfte das schwieriger zu bewerkstelligen sein. Aber dazu habe ich keine Erfahrungswerte – und will sie auch gar nicht machen. Anleitungen für den Bau einer Schnellkochtopf-Bombe soll es ja wie Sand am Meer geben im bösen Internet. Gefunden “auf die Schnelle” habe ich indes keine einzige ernst gemeinte Bomben-Anleitung mit Schnellkochtopf.

Um die Wirkungsweise einer Schnellkochtopf-Explosion zu verstehen muss man folgendes physikalisches Prinzip bedenken:
Im Inneren eines Schnellkochtopfs herrscht ein größerer Druck als in der Umwelt um den Schnellkochtopf herum. Der Siedepunkt im Schnellkochtopf liegt normalerweise um ein paar Grad über dem Siedepunkt bei normalem Atmosphärendruck. Ist der Druck nun so stark, dass sich die Sicherheitslaschen, über die der Schnellkochtopf-Deckel am Topf arretiert ist, verbiegen und somit Öffnungen zur Umwelt entstehen, dann treffen plötzlich der Schnellkochtopf-Inhalt mit leicht überhöhtem Druck und der Normaldruck der Umwelt zusammen. So erfährt der Dampf des Schnellkochtopfs eine abrupte große Volumenzunahme – der Inhalt des Schnellkochtopf schießt aus der Öffnung. Diese Hochgeschwindigkeitsexpansion reißt alles mit sich, was sich sonst noch so im Schnellkochtopf befindet. Das physikalische Prinzip nennt sich Siedeverzug.

Im Fall der Boston-Bomben waren nach letzten Erkenntnissen neben Schießpulver/Schwarzpulver eben kleinere Metallteile wie Nägel oder Metallspäne in Schnellkochtöpfen platziert worden. Wenn diese wie eben beschrieben dermaßen beschleunigt werden, durchschlagen die kleinen Teile eigentlich alles, was sich in der näheren Umgebung befindet. Allerdings ist der Wirkungskreis nicht sehr groß, weil der Druckausgleich eben regional um den Schnellkochtopf stattfindet und die kinetische Energie der Kleinteile durch die Reibung mit zunehmender Entfernung abnimmt. In der näheren Umgebung der Bombe aber ist die Zerstörungskraft sehr hoch.



1 Kommentar(e) zu “Schnellkochtopf-Bombe: Der Anschlag von Boston”

  • Wer ein bischen was von Physik versteht sollte in Lage sein sowas zu bauen bischen gefummel mit dem überdruckventil und das ding fliegt dir bei genug druck um die ohren vermutlich reicht sogar schon der rasante druck anstieg der nicht wie beim beim kochen langsam ansteigt sodass das ventil, wenn nicht verschlossen oder zugeschweißt einfach nicht genud druck ausgleich bereiten kann, die kraft die nötig ist einen edelstahlkochtopf zu sprengen möchte ich mir gar nicht vorstellen, vorallem nicht wenn noch so fiese schrapnellgeschosse beigefügt werden

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