Der Schnellkochtopf und die Induktion

Der Schnellkochtopf und die Induktion

Der Schnellkochtopf wurde erfunden als ein Induktionskochfeld noch reine Fiktion war. Moment – das stimmt nicht ganz: auf Wikipedia gibts eine Darstellung eines historischen Induktionskochers um 1909. Allerdings sieht der Topf nicht nach einem Schnellkochtopf aus. In den letzten Jahren allerdings ist das Induktionskochen küchenfähig geworden und allenthalben hört man Elogen über den Induktionsherd. Das Kochen mit Induktion hat die Küchentür sperrangelweit aufgestoßen und kappelt sich mit Elektroherden und Gaskochern um die Vorherrschaft. Bei mir hat inzwischen der Induktionsherd gewonnen und ich will diesen auch nicht mehr missen.

Nun koche ich schon seit vielen Jahren mit einem Schnellkochtopf. Mein alter Fissler vitavit royal (wurde ab 1994 produziert) ist mit mir durch viele elektrische Jahre gegangen und hat stets artig seinen Dienst verrichtet. Ich machte mir lange Zeit nicht Hauch von Gedanken an seine Induktionskochfeld-tauglichkeit. Bis dann neulich ein weihnachtliches Induktionskochfeld die Frage aller Fragen stellte: Gehört mein Schnellkochtopf zu den Induktionstöpfen oder versagt der Fissler-SKT beim Thema Induktion total? Oder anders formuliert: Ist mein Schnellkochtopf-Topfset induktionsfähig?

Ich nehme die Antwort vorweg: ich nutze meinen guten, alten Schnellkochtopf noch immer! Damit ist bewiesen, dass Schnellkochtopf und Induktion sehr gut zusammenpassen. Q.e.d. – Artikel zu Ende.

Ok, ok … ganz so einfach will ich es mir nicht machen.

Vielleicht erkläre ich zunächst einmal, wie so ein Induktionsherd überhaupt funktioniert.

Wie funktioniert ein Induktionskochfeld?

Bei dieser Frage kommt man nicht umhin, etwas Physik-Luft zu schnuppern. Aber keine Angst – das tut nicht weh und du bekommst keinen Schnupfen davon.
Das gemeine Induktionskochen funktioniert in aller erste Linie mit Strom. Strom hat die interessante Eigenschaft, von einem Kraftfeld umgeben zu sein. Das ist ein klein wenig vergleichbar mit der Macht im Star Wars Universum. Dieses Feld ist nicht sichtbar, riecht nicht und macht auch keine komischen Geräusche, wenn findige Menschen nicht nachhelfen. Es ist einfach da. Fließt jetzt der kraftstrotzende Strom durch die viele Kurven und Windungen einer sogenannten Spule (ein merkwürdiges Gebilde, bei dem ein dünner Draht einfach ganz, ganz oft um einen Kern herumgewickelt ist), dann eiert das Kraftfeld immer hübsch mit und “wirbelt” um die Spule drumherum. Das allein macht noch gar nichts, außer das bei genügend viel Strom und Windungen ein wenig die Haare zu Berge stehen und unsichtbare Käferchen über die Haut kribbeln. Strom ist sehr, sehr mystisch!

Fissler-Schnellkochtopf, Silit-Kochtopf, Tefal-Pfanne auf einem NEFF-Induktionsherd
Neff-Induktionskochfeld in voller Aktion – inkl. altem Fissler-Schnellkochtopf! Deutlich sichtbar: Der Schnellkochtopf steht unter Druck! (Bild: Jörg Dutschke; Klick: Amazon.de)

Spannend wird die ganze Chose dann, wenn etwas magnetisches in das wirbelnde Feld eindringt. Eisen zum Beispiel ist ganz toll magnetisch, wie wohl jeder Mensch  schon in seiner Kindheit mit unzähligen Magneten getestet hat. Metalle sind gern, aber nicht ausschließlich magnetisch. Wenn sie es aber sind und sich dann in unmittelbarer Nähe eines wirbelnden Magnetfelds befinden, dann ruft das auf wundersame Art und Weise in ihnen ebenfalls wirbelnde Ströme hervor. Mutter Natur muss sich das an einem sehr schönen Tag ausgedacht haben, denn dieses Prinzip ist sehr faszinierend. Es geht aber noch weiter! Jedes Material hat eine gewisse Abneigung gegen hindurchfließende und herumvagabundierende Ströme – manche mehr und manche weniger. Man nennt dies den Widerstand des Materials. Der Widerstand kämpft gegen den Strom; er widersetzt sich dem Strom. Das kostet Mühe und bringt das Material fast schon ins Schwitzen. Hah … da ist es. Wann kommst du ins Schwitzen? Genau – wenn es warm und heiß ist. Jetzt haben wir es:

Wenn ein magnetischer Körper, z.B. ein Kochtopf, in die Nähe eines herumwirbelnden Feldes (z.B. eines Induktionskochfeldes) kommt, werden in ihm Wirbelströme erzeugt (der Fachman nennt das “induziert”), was aufgrund des elektrischen Widerstands den Körper (z.B. einen Kochtopf) erwärmt bzw. erhitzt.

Ich glaube, dass können wir so festhalten.

Neben Eisen ist auch Gusseisen sehr magnetisch veranlagt, weswegen du alte Eisentöpfe und Gusseisenpfannen bedenkenlos auf einem Induktionsherd betreiben kannst. Edelstahl ist weniger magnetisch, was sich mitunter als Handycap herausstellt, sobald ein Induktionskochfeld ins Spiel kommt. Nun hat sich Edelstahl als Kochtopfmaterial in den letzten Jahrzehnten einen gewissen Ruf erarbeitet. Wenn bei der Edelstahltopf-Herstellung viel Chrom im Spiel war, kann man den Topf auf einem Induktionsfeld vergessen. Das ist so eine Unart von Chrom: es sieht zwar gut aus, aber es lässt sich nicht magnetisieren.

Und warum funktionieren nun trotzdem so viele Edelstahlkochtöpfe auf Induktionskochfeldern?

Weil die Hersteller den Topfboden und manchmal auch weitere Teile des Topfes aus speziellen Materialmischungen zusammenbasteln, die auf jeden Fall einen bestimmten Anteil an magnetisierbaren Stoffen beinhalten müssen, damit das mit der Induktion läuft. Sie schummeln also gewissenmaßen ein wenig. Die scheinbar allgegenwärtige “Formel” 18/10 (18% Chrom/10% Nickel) hat mit der Induktionsfähigkeit jedenfalls nichts zu tun, sondern beschreibt lediglich den Edelstahl, aus dem der Topf besteht.

Aber was steckt nun in dem Boden drin, damit der Edelstahltopf auf einem Induktionsherd funktioniert?

Tja – die einfache Antwort ist: keine Ahnung. Über die genaue Zusammensetzung schweigen sich die Hersteller natürlich aus. Das ist mindestens ein so großes Geheimnis wie die CocaCola-Formel.  Und was macht der findige Entwickler in einem solchen Fall? Er gibt dem Kind einen sehr mystischen, geheimnisvollen Namen:

  • WMF: TransTherm®
  • Fissler: Cookstar
  • Beem: Titantherm®
  • ELO: ELO Therm-Speicherboden
  • Silit und Tefal: kein gesonderter Name. Dort heißt es nur “Kapselboden” bzw. bei Silit noch Energiesparboden.

Ich frage mich immer, mit welchen Stoffen die Erfinder der Bezeichnungen stimuliert werden müssen, damit diese auf so etwas kommen. Ich will auch was davon. 🙂

Nach diesen ganzen theoretischen Vorbetrachtungen will ich nun die alles entscheidenden Frage stellen:

Schnellkochtopf und Induktion – funktioniert das zusammen?

Die Antwort ist: Ja! Das geht.

Wie stelle ich fest, ob mein Schnellkochtopf induktionsfähig ist?

Die Antwort: dem Hersteller glauben oder einen Magneten verwenden! Findet dieser den Boden deines Schnellkochtopfs sehr anziehend, dann funktioniert der Schnellkochtopf auch auf einem Induktionskochfeld.

Was mache ich, wenn mein Schnellkochtopf nicht auf dem Induktionsherd funktioniert?

Die Antwort: Du degradierst den Schnellkochtopf zum dekorativen Blumentopf UND kaufst dir einen neuen induktionsfähigen Schnellkochtopf. Tu das mit dem guten Gefühl, dass es derzeit schwerer ist, einen induktionsresistenten Topf zu finden, als einen der Induktionskochfelder liebt. Aber trotzdem: Augen auf beim Schnellkochtopf-Kauf! (Geheimtipp: Nimm einen kleinen Magneten mit und wenn der Verkäufer kurz abgelenkt ist, husche durch die Reihen und finde magnetische Kochtöpfe! Das ist ein ganz und gar ungefährliches und lustiges Spiel! Profis nehmen “Komparsen” mit, die den Verkäufer in ein Gespräch über das Kochen in der Steinzeit oder das Liebesleben der Butterpilze verwickeln.)

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(So … Entschuldige bitte diesen arg technischen Artikel, der scheinbar so gar nicht zu einem Kochblog passen will. Aber ich musste kurz auf die Grundlagen eingehen – es ging nicht anders. Ich hoffe, dass dir dieser Artikel zum Thema Schnellkochtopf und Induktion etwas helfen konnte. Hast du Fragen? Musst du mich an der einen oder anderen Stelle verbessern oder korrigieren? Zögere nicht, diese als Kommentar zu schreiben. Ich antworte garantiert!)

 



3 Kommentar(e) zu “Der Schnellkochtopf und die Induktion”

  • Vielen Dank Katrin! Freut mich zu lesen, dass ich dir weiterhelfen konnte. Liebe Grüße vom kalten Bodensee! Jörg

  • Super-tolle Info leicht verständlich auch für einen nicht Physiker. 🙂

    Geniale Vorgehensweise… habe ich gleich bei meinen Töpfen und Pfannen ausprobiert und war überrascht. – Die meisten sind magnetisch.

    Vielen Dank für den tollen Tipp.

  • Mein Mann hat es mit dem Liebesleben der Wattwürmer versucht. Der Verkäufer zeigte sich gar nicht verwundert, er wusste anscheinend was wir vorhaben. Mittlerweile habe ich trotzdem einen Schnellkochtopf, und will ihn nicht wieder missen

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