Das Schließen eines Schnellkochtopfs

Das Schließen eines Schnellkochtopfs

Wie bringen Sie nun Schnellkochtopf und -Deckel dazu zusammenzuspielen und wozu sind all die komischen Merkwürdigkeiten des Aufbaus eines Schnellkochtopfs gut?

Wir rekapitulieren zunächst das bisher Erlernte. Ein Schnellkochtopf besteht aus

  • einem geschlossenen Loch auf der Unterseite
  • einem metallenen Rohr
  • einem offenen Loch auf der Oberseite
  • einem speziellen Schnellkochtopf-Deckel

Begeben wir uns auf einen kleinen praktischen Exkurs in die Welt Ihres Schnellkochtopfs. (Wenn Sie noch keinen haben, sollten Sie sich schnell einen besorgen. Dies können Sie u.a. hier machen. Also los jetzt … ich warte solange auf Sie! … Versprochen!)

So schließen Sie Ihren Schnellkochtopf

Wie ich bereits erklärte unterscheidet sich die Bedeckelung eines Schnellkochtopfs grundlegend von der eines gemeinen Kochtopfs. Betrachten wir den Deckel und den Topf. Normalerweise würde man davon ausgehen, dass man den Deckel so auf den Topf legt, dass die Griffe genau übereinander stehen. Probieren Sie das mal aus. Beobachten Sie genau wie der Deckel auf dem Topf liegt und beurteilen Sie, ob das dicht ist. (Ob der Schreiber dieser Beschreibung noch ganz dicht ist soll an dieser Stelle nicht erörtert werden.) Sie werden unschwer feststellen, dass Deckel und Topf nicht dicht sind. Wie soll da nun Druck aufgebaut werden?

Geben Sie nicht auf und ….

Legen Sie den mitgelieferten Gummiring in den Deckel ein. Vertrauen Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass Sie dabei nicht viel falsch machen können. Die Form des Deckels sowie die Form des Dichtungsgummis machen es Ihnen sehr einfach, dieses zweiteilige Puzzle schnell zu lösen.

Legen Sie zur Kontrolle den Deckel wieder auf den Topf. Sie werden bemerken, dass es mit der Dichtheit des Topf-Deckel-Systems noch immer nicht so weit her ist.

Wir sind jedoch schon ganz nah an des Rätsels Lösung. Jetzt heißt es dranbleiben! Es ist nur wieder ein zweiteiliges Puzzle. Und darin haben Sie ja nun Übung, oder?

Indem Sie den Deckelgriff leicht nach rechts drehen (im Vergleich zum Topfgriff) werden Sie schnell bemerken, dass die lückenhaften Krempen von Deckel und Topf zusammenpassen, wie zwei Puzzleteile. Der Deckel rutscht plötzlich in die Topfkrempenlücke. Durch eine leichte Bewegung des Deckels nach linksbringen Sie die die Deckel- und Topfform genau passend übereinander. Der Deckel schnappt mit einem zufriedenen Klacken ein. Es ist geschafft. Das System “Schnellkochtopf” ist dicht.

Durch das Übereinanderbringen der Deckel-Topf-Krempen ist der Deckel an den Topf gefesselt und kann nicht nach oben das Weite suchen. Wenn nämlich nun im Inneren des Schnellkochtopfs Druck aufgebaut wird entwickelt der Deckel ein gewisses Fluchtverhalten. Bei einem gemeinen Topf können Sie das immer wieder gut beobachen. Nämlich dann, wenn bspw. die Suppe im Topf immer “größer” wird und den Deckel anhebt, um sich dann über den Topfrand auf den Herd zu ergießen. Der Koch spricht dann von “einer mordmäßigen Sauerei” und beginnt zu fluchen.

Das kann dem Schnellkochtopf-Deckel nicht passieren.

So ganz dicht wäre das Schnellkochtopf-System aber nicht. Es gibt immer gewisse Schlupflöcher zwischen Topf und Deckel. Druck ist sehr dünn und kann durch die kleinsten Ritzen aus Gefäßen krabbeln. Das ist ein unschönes Verhalten vom Druck, dem ein Riegel vorgeschoben gehört. An dieser Stelle kommt der Dichtungsring ins Spiel. Dieser liegt im Inneren des Deckels und besteht je wie bereits erläutert aus Gummi. Und Gummi ist ein mächtig dehnbares Zeuchs.

Wenn nun durch stetige Hitzezufuhr im geschlossenen Schnellkochtopf Druck aufgebaut wird, dehnt sich der Dichtungsgummi aus und … schließt die Schlupflöcher. Der Druck ist im Schnellkochtopf gefangen und wird immer größer und größer und … drückt einen kleinen Bolzen aus dem Schnellkochtopfdeckellochüberdruckventil, um schließlich tösend und lärmend durch das Überdruckventil im Schnellkochtopfdeckel davon zu düsen.

Das ist der Moment, vor dem viele Outsider und frischgebackene Schnellkochtopf-Premierenköche richtige Angst haben und ihnen kalte Schauer über die Epidermis rennen. Selbst wenn sie mehrere Meter und Wände von dem herumkrakelenden Ungeheuer in der Küche entfernt sind. Denn so ein Überdruckventil funktioniert im Grunde wie eine Trillerpfeife: es macht einen Höllenlärm. Manchmal erinnert das schrille Pfeifen an das Starten eines Kampfjets direkt in der Küche. Und auch dem mutigsten Koch beschleichen leise Zweifel, ob er das lärmende Ungetüm im Zaume halten kann. Dabei ist das ganz einfach. Nur Mut! Gehen Sie zum Herd und fahren Sie die Energiezufuhr auf ein Minimum zurück.

Erstmal tut sich dann gar nichts. Es pfeifft gräßlich laut weiter, anwesende Mitköche müssen zur schreienden Rezept-Verständigung übergehen, und weniger harte Menschen suchen das Weite. Das weite Weite, sozusagen. Doch durch das Drosseln der Energie beruhigt sich auch der Druck im Inneren des Schnellkochtopfs wieder. Für das Überdruckventil gibt es weniger zu tun und schließlich pfiffelt der Schnellkochtopf bescheiden weiter. Wie ein Kampfjetbaby. Turbinen im Leerlauf, Herr General!

In diesem Stadium können Sie den Schnellkochtopf für die weiteren Minuten ruhig allein lassen. Er ist voll und ganz mit garen und pfiffeln beschäftigt. Ein pflegeleichtes Instrument.

Wenn dann die Zeit zum Beenden des Kochvorgangs gekommen ist, müssen Sie erneut allen Mut zusammennehmen und …. den Schnellkochtopf öffnen!

Und wie das gefahrlos geht, erfahren Sie im nächsten Kapitel:
Wie öffnet man einen zum platzen gefährlichen Schnellkochtopf, überlebt dabei und muss nicht hinterher die Küche renovieren?

Jörg Dutschke – Hobbykoch und Schnellkochtopf-Fan.



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